Freitag
Heute waren wir mal im Supermarkt Nr. 4. Der hat vor zwei Jahren erst aufgemacht und wir haben es bisher nicht geschafft, uns den mal von innen anzugucken. Ich muss sagen: Ich bin schwer begeistert! Der Markt ist aufgezogen, wie ein Großmarkt, aber superordentlich und gut sortiert. Auch das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit. Wir sind langsam durch die Gänge geschlendert und haben natürlich viel mehr gekauft, als auf dem Zettel stand. Es gibt eine große Metzgerei (da war auch ordentlich Andrang) und eine Obst- und Gemüseabteilung mit meinen Lieblingskartoffeln. Frische Hefe habe ich auch gefunden, allerdings nur in riesigen Brocken. Vermutlich für die Gastronomie oder Bäckereien. Apropos: eine Bäckerei haben sie leider nicht. Es gibt zwar einen Container mit Brötchen, aber ansonsten nur abgepacktes Zeug.
Den argentinischen Rotwein, den wir auch zu Hause gerne trinken, hatten sie auch. Gleicher Preis wie bei Edeka in WI! Frische Milch gibt es leider nicht, aber eine große Käseauswahl; auch Sorten, die sonst nicht zu finden sind. Der Laden hat uns jedenfalls gut gefallen.
Eigentlich wollten wir Ulf und seine Frau nochmal zu uns zum Grillen einladen, aber die fliegen am 22.9. schon wieder zurück nach Deutschland und sind bis dahin schon ausgebucht. Schade, aber dann halt im nächsten Jahr.
Samstag
Heute ist Markttag, Wir haben das Frühstück ausfallen lassen und stattdessen beim Chinesenstand Pasteis gegessen (Sünde!). Geparkt haben wir beim Supermarkt und um uns den Platz fürs Autochen zu erkaufen, dort auch noch ein paar Kleinigkeiten geholt. Tiefkühlbeutel waren alle, Tomaten brauchte ich noch und natürlich frische Milch. Danach habe ich mich an die Produktion von Chili con Carne gemacht … auf speziellen Wunsch eines einzelnen Herrn. Die Bohnen dafür haben wir gestern im Supermarkt gefunden, was erstaunlich ist, weil es dort normalerweise nur die braunen Bohnen gibt oder im besten Fall noch schwarze für Feijoada.
Beim Heimkommen habe ich mich etwas über Rosa geärgert: Ich hatte in einem Supermarkt zwei stabile Steigen ergattert, um darin Kleinteile aus der Garage einzusortieren und ins Regal stellen zu können. Bis zu ihrem Einsatz hatte ich sie auf zwei Säcken Erde geparkt, die neben der Tür zur Küche liegen. Nun sind sie weg – Rosas Aufräumwut zum Opfer gefallen. Leere Kartons duldet sie nicht! Auch hatten wir in einem Sektkarton die leeren Weinflaschen einsortiert. Da wäre noch Platz für drei weitere Flaschen gewesen – zack, weg! Karton und Flaschen! Das müssen wir ihr irgendwie abgewöhnen. Wahrscheinlich ist der arme Marcio dreimal zu uns hochgelaufen, um den ganzen Müll abzuholen, den sie ihm hingestellt hat. Unsere leeren Glasflaschen stehen jetzt wieder so auf dem wackeligen Plastiktisch und werden um- bzw. runterfallen, wenn man versehentlich ans Tischbein stößt. Oh Mann!
Gestern war in der nahen Schule ein Fest, vermutlich im Vorgriff auf den Weltkindertag, der am Sonntag stattfindet. Große Schreierei und grausige (Kinder)Musik. Hörte sich irgendwie chinesisch oder japanisch an. Nix für unsere Ohren. Irgendwann war das dann vorbei, aber um Mitternacht spielten noch eine Handvoll Jungs Fußball (unter Flutlicht) und machten Krach für eine ganze Mannschaft. Die sind hier gnadenlos!
Auf der Feiermeile vor dem Parkhotel gibt’s ebenfalls eine Wochenendparty. Eine große Bühne ist aufgebaut und verschiedene kleine und große Zelte. Die Bühne wird schon seit mittags von verschiedenen Bands mit brasilianischer Musik (die ja auch nicht meins ist) bespielt. Wir hoffen darauf, dass die Musik am Abend besser wird. Klaus hat inzwischen herausgefunden, dass das ein Gastronomie Festival ist. Heißt: warmer Rotwein aus Plastikbechern und totgekochtes Essen. Muss ich nicht haben; das kriegen wir zu Hause besser hin.

Stadt Links





Um halb eins waren wir im Lokal und natürlich die ersten. Nicht nur am Tisch, sondern im gesamten Lokal. Nach uns kam noch ein Ehepaar mit zwei kleinen Mädchen, die sich in unserer Nähe platzierten. Der Mann stellte nach kurzer Zeit fest, dass wir uns ja auf Deutsch unterhielten und fragte nach, woher wir denn kämen. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass er aus Österreich kommt, mit einer Brasilianerin verheiratet ist und seit acht Jahren in Poços lebt. Die beiden Mädchen haben sie gerade adoptiert und leben erst seit vier Wochen als Familie zusammen. Hat man aber nicht gemerkt; eine ganz normale Familie halt. Bis der Gastgeber und weitere Gäste eintrafen, wussten wir schon viel übereinander. Es war jedenfalls ein netter Mittag und wir haben auch ein diabetikerfreundliches Gericht auf der Karte gefunden: Gegrillter Tilapia mit Brokkoli, Möhren und ein paar Kartoffelscheiben. Dazu noch eine große Schüssel Reis – wie könnte es anders sein?
Ich war abends so platt, dass ich schon um halb neun ins Bett bin. Klaus hat noch etwas fern gesehen, kam aber auch um kurz vor Mitternacht ins Schlafgemach. Das mit dem Kamin anfeuern haben wir auf Montag verschoben – sa soll es richtig kalt werden!


