Mittwoch
Wir fahren einkaufen und am Tor kommt Marcio auf uns zu und erklärt, dass die Straße wieder offen sei. jubel Seit einer knappen Woche schon ist die Einfahrt in unsere Straße durch Bauarbeiten versperrt, so dass wir beim Nachhause fahren immer einen Umweg nutzen, um dann – entgegen der Einbahnstraßenregelung – zu unserem Tor zu kommen. So etwas wie Umleitungen gibt es hier nicht. Jeder muss selbst zusehen, wie er zurechtkommt. Heute Morgen, als Klaus vom Bäcker kam, war die Straße noch zu. Die Arbeiter mussten auch am Sonntag sowie dem darauffolgenden Feiertag arbeiten. In D haben wir Baustellen, an denen wochenlang nicht ein einziger Arbeiter zu sehen ist. Ich vermute immer, dass die nur eingerichtet werden, um Bagger zu parken und so die Kosten für einen Betriebshof zu sparen.
Der Supermarkt „San Michel“ hat jetzt eine Leuchtreklame „San Michel“ in der Auffahrt zum ersten Parkdeck angebracht – damit man auch weiß, wo man ist. mitdenAigenroll Auf so einen Schei… wird hier Wert gelegt. An der Einfahrt zum Parkhaus sitzt aber immer noch so ein armer Hansel, der die Autokennzeichen und die Zeit der Einfahrt notiert und diese beim Rausfahren – mit Hilfe des Kassenbons – überprüft. Ein Traumjob! Die freie Parkzeit ist gestaffelt nach dem Wert des Einkaufs. Bei dem Geld, das wir schon in dem Laden gelassen haben, könnten wir wochenlang dort stehen.
Am Mittag gibt’s ein Heimspiel des SVWW gegen Aachen und unsere Jungs haben tatsächlich das erste Spiel der Saison zuhause gewonnen (3:0). Vielleicht kann ein neuer Trainer doch Wunder bewirken. Da die Fluktuation beim SVWW von Spielern und Trainern recht hoch ist, mache ich mir nicht mehr die Mühe, mir die Namen einzuprägen. Der neue Trainer hat hinterher im Interview scherzhaft angemerkt, dass er jetzt eigentlich seine Karriere beenden müsse … dann ginge er als erfolgreichster Trainer der 3. Liga in die Geschichtsbücher ein. Er wird aber bleiben, bis auch er eines Tages „gegangen wird“.
Klaus war nochmal beim Urologen und hat bestätigt bekommen, dass die Niere völlig ok ist und alle übrigen Werte der Blutuntersuchung auch top sind. Die Schmerzen kämen wohl von der Lendenwirbelsäule. Er hat ihm noch ein Muskelrelaxans aufgeschrieben für den Fall, dass die Schmerzen wieder auftreten. Ab nächster Woche will er wieder in die Muckibude. Vielleicht hatte er sich auch dort nur etwas übernommen und die Schmerzen kamen daher. Ich bin nur froh, dass nix Schlimmeres ist.
Donnerstag
Gestern haben wir versucht, in dem Spezialmehl-Laden Dinkelmehl zu kaufen, das sie aber nicht hatten. Die Verkäuferin hat uns angeschaut, als kämen wir vom Mond. Farinha de espelta … davon hatte sie noch nie gehört. Das gleiche bei Buchweizen (trigo sarraceno). Sie gab uns aber den Tipp, dass es einen weiteren Körnershop am Busbahnhofs gibt.
Den haben wir aufgesucht (der ist viel größer und besser sortiert, als der andere), aber auch hier Kopfschütteln. Allerdings hat die Verkäuferin vorsichtshalber noch mal bei einer Kollegin nachgehört und die konnte wenigstens bei Buchweizen weiterhelfen, das hatten sie nämlich doch.
Heute Morgen beim Bäcker hat Klaus diese Odyssee dem Bäckermeister erzählt, schließlich backt der ja Brot mit Dinkelmehl. Aber der meinte auch, das gäbe es in den Geschäften nicht zu kaufen. Er bezieht es vermutlich über einen Großhändler oder eine Mühle. Aber er war sehr hilfsbereit und packte Klaus ohne zu fragen eine Tüte mit einem Kilo Mehl ein. Fand ich super und nun bin ich erst einmal versorgt. Klaus hat noch ein bisschen mit ihm geplaudert und herausgefunden, dass er Gilberto heißt, zwei kleine Kinder hat und gegenüber unserer Anlage in einem Gebäude wohnt. Wir sind praktisch Nachbarn. 😊
Ich habe heute Morgen unseren Vorrat an Bolo-Soße aufgefüllt; der Göga hatte sich Spaghetti gewünscht und es war keine Soße mehr da. Das geht gar nicht. Morgen werde ich mich des Schweinebratens annehmen, der im Kühlschrank seiner Bestimmung entgegensieht. Heute Abend werden wir Fisch essen gehen, da bin ich vom Kochen befreit. *freu*

Stadt Links




Noch vor dem Frühstück rückt der Wasser-Scheiße-Mann an und öffnet unsere Grube mit einer Flex (oder etwas Ähnlichem; ich kenne mich da nicht so aus) Er geht dabei deutlich weniger zaghaft vor, wie Walter und haut gleich mal ein paar Schnitte in die Fliesen. Grobmotoriker! Dann stülpt er sich zwei Müllsäcke über den Arm und wühlt beherzt in der Brühe herum. Was er vor dem Abflussloch ausgräbt, sind nicht etwa unsere eigenen Hinterlassenschaften, sondern mehrere dicke Fettklumpen!
So, nun noch etwas appetitlicheres: Dudu, der Sohn von Adriana und Eduardo hat inzwischen eine kleine Wohnung in der Stadt, kommt aber zum Essen, Wäsche waschen etc. gerne ins Elternhaus zurück. Eigentlich ist er täglich da, schläft nur woanders. Er hat sich ein neues Spielzeug gekauft: eine nagelneue Kawasaki Ninja. In giftgrün! Das Moped ist ausgesprochen leise, aber Klaus meint, das würde sich noch ändern, weil Dudu schon am Rumschrauben ist. Tatsächlich nutzt er fast täglich die elterliche Garage für irgendwelche Basteleien an dem neuen Teil. Adriana ist jedenfalls „hell begeistert“ von seinem neuen Hobby. Moped fahren ist hier mehr was für Lebensmüde!
Sodann gibt es ein Rezept für zwei Medikamente sowie zwei Überweisungen. Einmal MRT und eine Blut- und Urinuntersuchung. Beides kann er nicht in der Praxis machen. Die Sprechstundenhilfe telefoniert und gibt uns dann die Adresse von St. Clara, einem großen, alten Krankenhaus in der City. Wir fahren hin und fragen uns durch, kriegen am Eingang einen Aufkleber ans Revers, der uns berechtigt im Haus zu sein. Wir landen an einem großen Wartebereich, der gut mit Menschen gefüllt ist. Man muss – wie immer in Brasilien – eine Nummer ziehen. An der Wand hängt eine Anzeige auf der man erkennen kann, welche Nummer gerade dran ist. Wir haben 367, 368 ist dran (hää?). Als 369 aufblinkt, fragt Klaus mal nach, was das soll und wird sofort bedient. Wir müssen dann ein Stockwerk tiefer zur Kasse und dürfen erstmal bezahlen. Dann geht es zurück in den Wartebereich: fünf Stuhlreihen in der fensterlosen Ecke, an der Wand ein Fernseher, der jedoch kaum Beachtung findet. Alle daddeln am Handy … kein Wunder, dass das Internet hier so langsam ist. Klaus muss einen Fragebogen ausfüllen und versucht, einige medizinische Begriffe zu googeln. Ohne Erfolg. Bleibt die Frage halt offen, auch egal.


