Donnerstag
Sechs Wochen sind wir schon wieder hier: Bergfest! Wie immer weiß ich nicht, wo die Zeit geblieben ist!
Die letzten Tage war das Wetter recht schön; nicht zu warm, mal Sonne, mal Wolken und ab und an auch Regen. Heute begrüßt uns der Tag schon mit Regen und der soll auch noch ein paar Stunden anhalten. Bestes Wetter also, um meinen Haaren mal wieder etwas Farbe zu verpassen. Inzwischen ist der Ansatz ordentlich rausgewachsen und das ist für mich der Inbegriff von „Schlampe“. Nichts sieht gruseliger aus!
Übrigens solltet Ihr im Blog immer mal wieder ein bisschen nach unten scrollen, weil Klaus im Nachhinein immer noch ein paar Bilder einbaut. Mir ist das zu kompliziert geworden und ein bisschen was kann er zu unserem Tagebuch ja auch beitragen.
Ich habe gestern mal spaßeshalber die KI nach unserem Blog befragt und folgendes gefunden:
„Die Webseite pocosdecaldas.de ist ein persönliches Online-Tagebuch (Blog) eines deutschen Ehepaares (Moni und Klaus), das PdC in Brasilien als seine zweite Heimat bezeichnet.
Inhalte und Themen des Blogs
Alltag und Erlebnisse: Berichte über das Leben vor Ort, Restaurantbesuche (z.B. Rodizio oder Fischlokale), Einkäufe auf Wochenmärkten und im Supermarkt sowie Begegnungen mit Nachbarn.
Reisen und Ausflüge: Regelmäßige Fotoalben (aus den Jahren 2011 bis 2025) sowie Ausflüge zu lokalen Sehenswürdigkeiten wie der Christus-Statue.
Webcams und Wetter: Live-Webcams mit Blick auf die Stadt, den Garten und das Haus sowie aktuelle Wetterbeobachtungen.
Praktische Tipps: Informationen zu Entfernungen, lokalen Handwerkern und der Suche nach bestimmten Lebensmitteln oder Spezialitäten in Brasilien.“
Scheiße, die KI weiß alles über uns! Soll ich sie mal nach meiner Schuhgröße oder überstandenen Kinderkrankheiten befragen? Allmählich „krisch isch Ängst“! Nicht nur, dass Klaus‘ Freundin „Al.xa“ unser Wohnzimmer abhört, die Navi-Tussi genau weiß, wo wir uns rumtreiben und das Handy sowieso ein Eigenleben führt – nun spioniert uns auch die KI noch aus! Schöne neue Welt? Ich denke NEIN! Das ist mir persönlich too much, aber auf alle Annehmlichkeiten der Neuzeit will ich auch nicht verzichten. Einen Tod muss man halt sterben.
Freitag
6.00 Uhr – Regen. Was wir zu Hause im Sommer schmerzlich vermisst haben, gibt es hier jetzt im Überfluss. Hier ist der Sommer ja Regenzeit, aber noch haben wir Frühjahr und da ist es normalerweise recht schön. Wir können es nicht ändern, aber es lähmt einen doch schon sehr.
Auf Wunsch einer gelangweilten Dame sind wir mal ins Shopping-Center gefahren; da ist es trocken und man sieht mal was anderes. Nun ist Shopping ja nicht so unser Ding. Bei mir ist es stimmungsabhängig und der Meine hat schon grad gar keine Lust zu gucken, zu fühlen oder gar anzuprobieren. Er ist DER Besteller vor dem Herrn! Soll der Postbote sich doch abschleppen. Entsprechend lustlos tappte er dann hinter mir her.
Interesse halber habe ich bei „Renner“ (die haben Klamotten und dies und das) mal eine Jeans anprobiert: Ich weiß nicht, für welche Frau die gedacht war; in der Taille 10 cm zu knapp, aber Platz für einen Monstermors. Auf dicke Ärsche stehen die hier; angeblich ist das Aufpumpen des Hinterns hier die am häufigsten durchgeführte Schönheits-OP. Da werde ich wohl doch besser zu Hause mal nach einer neuen Buxe gucken.
Als nächstes sind wir zu „Lojas Americanas“ rein, wo es eigentlich alles gibt. Die sind aber gerade im Weihnachtsumbau und man fällt als erstes über Plastik-Tannenbäume und Christbaumkugeln. Der Rest war dann nur noch Ramsch. Wir bräuchten Kopierpapier, ich wollte nach einer neuen Nagelfeile gucken und außerdem nach einer Glasschüssel, die man sowohl in der Microwelle als auch im Backofen bzw. Airfryer nutzen kann. Ich habe hier schon zwei von der Sorte und wollte eine neue mit nach Hause nehmen. Gibt’s aber nicht mehr und die ganze Kosmetikabteilung war irgendwo verramscht, so dass man gar nichts finden konnte. Papierwaren haben sie auch nicht mehr im Angebot. Um nicht ganz mit leeren Händen wieder nach Hause zu fahren, habe ich zwei Handtücher fürs Gästeklo gekauft und ein Päckchen Eukalyptusbonbons.
Danach gab es ein kleines Frusteis.
Vorm Eingang zum Supermarkt ist ein kleiner Schmuckstand, der Geschmeide aus Edelstahl verkauft. Da habe ich im letzten Jahr schon zwei Paar Ohrstecker gekauft, die man auch nachts gut drin lassen kann. Ein Paar ist inzwischen ziemlich stumpf geworden, so dass ich heute nochmal welche gekauft habe. Keine große Ausgabe, wurde aber sehr kunstvoll verpackt. Der Wert der Verpackung liegt in etwa beim Preis der Ohrstecker. Tja, und dann waren wir auch schon durch mit dem Shopping-Center. Es gibt noch ein Sportgeschäft, einen Elektrogeräteladen, eine Bildergalerie und Kinderläden. Sehr überschaubar alles. Zwei Juweliere hat es noch und wo früher eine Drogerie war, werden heute Autos verkauft.
Zu Hause habe ich die Handtücher im Wäschekorb geparkt und die wahnsinnige Verpackung der Ohrringe aufgeknibbelt – was länger gedauert hat, als das Verpacken selbst.
Am Abend gab es – passend zum trüben Wetter – Linsensuppe, die mich die ganze Nacht gequält hat.

Stadt Links




Rosa-Tag. Klaus trifft sie beim Bäcker und bringt sie gleich mit. Wir frühstücken eine schnelle Stulle ohne viel Aufwand. Um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zur Fußpflege und müssen gleich los. Da der Salon (da werden nicht nur Hände und Füße verschönert, sondern auch Haare geschnitten, Augenbrauen gemalt und was weiß ich nicht noch alles) praktisch um die Ecke ist, gehen wir zu Fu0 dorthin. Wir sind die ersten Kunden und werden auch sofort bedient. Nach und nach trudeln noch ein paar Angestellte ein und dann gesellt sich auch noch eine Kundin dazu. Zu unserem Erstaunen ist es Andreia, unsere ehemalige Nachbarin. Sie wohnt mit ihrem Mann inzwischen wohl wieder in Poços; die Kinder sind verstreut und am Studieren bzw. Arbeiten. Alles habe ich nicht verstanden, weil Andreia immer sehr leise und ohne Betonung spricht, aber das war es, was wir herausgehört haben. Sie lässt sich jedenfalls die Haare machen und bekommt eine ausgiebige Beratung mit Handyvideo (vorher/nachher).
Wir haben den Heimweg über zwei Baustellen angetreten, einmal ein schmaler, abschüssiger Fußweg in Richtung mit Wasser gefüllter Baugrube und einmal Schotterpiste. Dann die Straße hoch und die sieben Hügel zu unserem Zuhause. Da habe ich dann festgestellt, dass sich bei einer meiner Sandalen die Sohle abgelöst hat. Da es solche Sandalen hier gar nicht gibt (eine Brasilianerin würde solche Schuhe niemals tragen!), haben wir noch versucht, die Sohle mit Pattex wieder anzukleben, aber das hielt auch nicht. Also liegen sie jetzt im Müll. Schade, die waren wirklich bequem, aber sie hatten inzwischen auch ein Alter, in dem man sie getrost entsorgen kann und bevor ich mich damit mal auf die Schnauze lege – weg damit.
Als Vorspeise gab es Melone mit Parmaschinken, dazu ein Glas Limoncello Spritz (mit dem hiesigen Limoncello, den wir in unserer Käse-Frühstücksbude gekauft hatten) und danach Fleisch bis zum Abwinken und etwas Grillkäse. Die Fleischportion war für uns natürlich viel zu groß, obwohl auch ich ordentlich zugeschlagen habe. Jetzt sind noch zwei fertig gegarte Stücke im Kühlschrank … wird wohl Fleischsalat geben, heute Abend.


