Samstag
Noch vor dem Frühstück gab es Fußball - SVWW : Großaspach. Klaus saß um kurz vor neun im Schlafanzug auf der Couch. Ich habe erst einmal am Esstisch gesessen und nur zugehört. Was soll ich sagen: der SVWW hat Tore geschossen! Die Jungs haben sich in einen Rausch gespielt und am Ende 7 : 1 gewonnen! Ein 7 : 1 sieht man in Brasilien immer gerne (zuletzt bei der WM 2014, unsere Elf gegen Brasilien in Belo Horizonte). Legendär und bis heute ein Trauma für die Brasis!
Das Spielergebnis war aber auch das einzige Highlight des Tages; die restliche Zeit dümpelte so vor sich hin.
Am Abend hat Klaus mal wieder Hamburger geholt und von Lucas – dem Betreiber der Burgerbude und unser Nachbar – noch einen Restauranttipp für Capitólio erhalten, wo wir am Donnerstag hinreisen wollen. Ich bin gespannt, ob das Restaurant wirklich so gut ist, wie er es beschrieben hat. Ich habe mir übrigens mal die Wettervorhersage für die Gegend angeschaut: fünf Grad wärmer als hier und durchgängig Regen! Ich bin begeistert!
Sonntag
Um vier war die Nacht für mich vorbei. Draußen ging ein Gewitter mit Starkregen runter, so richtig vom Feinsten! Wir waren mittendrin im Geschehen, Blitz und Donner kamen zeitgleich. Ich sehe mir solche Naturschauspiele gerne an und bin aufgestanden. Eine gute halbe Stunde habe ich im Gästezimmer gesessen und fasziniert zugeschaut. Wirklich beeindruckend, was da abging. Ich bin danach wieder ins Bett, aber an Schlaf war natürlich nicht mehr zu denken. Also aufstehen, Kaffee kochen und mal schauen, was die Wettervorhersage für heute zu bieten hat. Auch das war beeindruckend: durchgängig bis 21.00 Uhr Gewitter und 95% Regen. Drei dicke Tropfen auf der Anzeige sollten das noch verdeutlichen. Ein richtiger Scheißtag!
Bei dem Wetter wird wohl auch die Wahlbeteiligung nicht sonderlich hoch sein; heute findet ja die Stichwahl zwischen dem derzeitigen Präsidenten und dem Verbrechersohn Bols.naro statt. Ich bin gespannt.
Mittags
Poços säuft ab! Auf der Fratzenbuch-Seite der Stadt sind reichlich Bilder und Videos zu sehen, auf denen Straßen mit Schlamm von abrutschenden Hängen überflutet sind. Räumtrupps sind unterwegs und versuchen, das Chaos zu beseitigen. Einige Hauseingänge hat es inzwischen auch erwischt. Wohl dem, der auf einem Hügel wohnt. Die Kanalisation ist hoffnungslos überfordert, obwohl die schon teilweise saniert und erweitert wurde. Das Wasser, das zur Reinigung benötigt wird, tut ein Übriges. Draußen ist es so dunkel, dass wir praktisch den ganzen Tag Licht anhaben müssen. Unser Wasser heizen wir seit Tagen auch nur noch elektrisch. Normalerweise reichen ein paar Sonnenstrahlen, um heiß duschen und spülen zu können. Allmählich geht mir das Wetter auf den Senkel!
Was hier seit ein paar Jahren deutlich besser geworden ist, ist die Stromversorgung (wenigstens das!). In früheren Jahren haben wir bei Gewitter Kerzen im Haus verteilt, weil man die Uhr danach stellen konnte, wann der Strom weg ist. Seit drei oder vier Jahren hatten wir aber keinen Stromausfall mehr. Da haben sie mal gute Arbeit geleistet!

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6.00 Uhr – Regen. Was wir zu Hause im Sommer schmerzlich vermisst haben, gibt es hier jetzt im Überfluss. Hier ist der Sommer ja Regenzeit, aber noch haben wir Frühjahr und da ist es normalerweise recht schön. Wir können es nicht ändern, aber es lähmt einen doch schon sehr.
Rosa-Tag. Klaus trifft sie beim Bäcker und bringt sie gleich mit. Wir frühstücken eine schnelle Stulle ohne viel Aufwand. Um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zur Fußpflege und müssen gleich los. Da der Salon (da werden nicht nur Hände und Füße verschönert, sondern auch Haare geschnitten, Augenbrauen gemalt und was weiß ich nicht noch alles) praktisch um die Ecke ist, gehen wir zu Fu0 dorthin. Wir sind die ersten Kunden und werden auch sofort bedient. Nach und nach trudeln noch ein paar Angestellte ein und dann gesellt sich auch noch eine Kundin dazu. Zu unserem Erstaunen ist es Andreia, unsere ehemalige Nachbarin. Sie wohnt mit ihrem Mann inzwischen wohl wieder in Poços; die Kinder sind verstreut und am Studieren bzw. Arbeiten. Alles habe ich nicht verstanden, weil Andreia immer sehr leise und ohne Betonung spricht, aber das war es, was wir herausgehört haben. Sie lässt sich jedenfalls die Haare machen und bekommt eine ausgiebige Beratung mit Handyvideo (vorher/nachher).
Wir haben den Heimweg über zwei Baustellen angetreten, einmal ein schmaler, abschüssiger Fußweg in Richtung mit Wasser gefüllter Baugrube und einmal Schotterpiste. Dann die Straße hoch und die sieben Hügel zu unserem Zuhause. Da habe ich dann festgestellt, dass sich bei einer meiner Sandalen die Sohle abgelöst hat. Da es solche Sandalen hier gar nicht gibt (eine Brasilianerin würde solche Schuhe niemals tragen!), haben wir noch versucht, die Sohle mit Pattex wieder anzukleben, aber das hielt auch nicht. Also liegen sie jetzt im Müll. Schade, die waren wirklich bequem, aber sie hatten inzwischen auch ein Alter, in dem man sie getrost entsorgen kann und bevor ich mich damit mal auf die Schnauze lege – weg damit.
Als Vorspeise gab es Melone mit Parmaschinken, dazu ein Glas Limoncello Spritz (mit dem hiesigen Limoncello, den wir in unserer Käse-Frühstücksbude gekauft hatten) und danach Fleisch bis zum Abwinken und etwas Grillkäse. Die Fleischportion war für uns natürlich viel zu groß, obwohl auch ich ordentlich zugeschlagen habe. Jetzt sind noch zwei fertig gegarte Stücke im Kühlschrank … wird wohl Fleischsalat geben, heute Abend.


