Dienstag
Klaus ist seit zwei Wochen mal wieder in der Muckibude. Bin gespannt, mit welchen Blessuren er diesmal nach Hause kommt. Ich habe ihm geraten, sich nicht gleich wieder zu verausgaben und das hat er auch versprochen. Aber wenn ihn der Ehrgeiz erst einmal packt …! Seine Nierenprobleme – die sich als „Rücken“ herauskristallisiert haben – sind inzwischen erledigt. Jetzt hat er nur noch Schulter. Ich tippe mal auf sog. Kalkschulter. Hatte ich auch schon (und habe ich gerade wieder), ist aber mit manueller Therapie ganz gut behandelbar. Ich hatte jedenfalls danach 20 Jahre lang Ruhe. Das sollte in unserem jetzigen Alter reichen bis zum Schluss.
Beim Bäcker hat er den Besitzer wiedergetroffen und der hat sich sofort erkundigt, ob ich schon Brot gebacken hätte. Habe ich nicht; nur die Plattbrötchen, und mit denen ist kein Staat zu machen. Klaus hatte ihm aber eine Kostprobe versprochen und jetzt bin ich in Zugzwang. Auch irgendwie doof.
Am Abend hatte ich mal wieder Lust zu kochen. Aus der Schweinelende im Kühlschrank wurden Medaillons mit Sahne-Gorgonzola-Soße. Dazu Bandnudeln und grüne Bohnen. Dazu ein bisschen Vino, danach eine Spülorgie und ab vor den Fernseher.
Wir sitzen gerade vor den Nachrichten, als uns unsere Hausklingel aufschreckt. Klaus öffnet das Fenster und Adriana streckt ihm einen kleinen Blumenstrauß entgegen. „Para Monica!“ Huch, wie komme ich zu der Ehre? Sie habe gerade so viele Blumen und wisse nicht mehr, wohin damit. Keine Ahnung, woher sie die Blumen hat, Geburtstag hatte sie jedenfalls auch nicht und nach Gartenblumen sieht der Strauß nicht aus. Am Wochenende war irgendein Kaffee Event im Parkhotel mit Kostproben und Vorträgen etc. Möglicherweise wurden ihr da Blumensträuße überreicht. Ich habe mich jedenfalls gefreut, davon etwas abzukriegen.
Mittwoch
Rosa-Tag. Klaus trifft sie beim Bäcker und bringt sie gleich mit. Wir frühstücken eine schnelle Stulle ohne viel Aufwand. Um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zur Fußpflege und müssen gleich los. Da der Salon (da werden nicht nur Hände und Füße verschönert, sondern auch Haare geschnitten, Augenbrauen gemalt und was weiß ich nicht noch alles) praktisch um die Ecke ist, gehen wir zu Fu0 dorthin. Wir sind die ersten Kunden und werden auch sofort bedient. Nach und nach trudeln noch ein paar Angestellte ein und dann gesellt sich auch noch eine Kundin dazu. Zu unserem Erstaunen ist es Andreia, unsere ehemalige Nachbarin. Sie wohnt mit ihrem Mann inzwischen wohl wieder in Poços; die Kinder sind verstreut und am Studieren bzw. Arbeiten. Alles habe ich nicht verstanden, weil Andreia immer sehr leise und ohne Betonung spricht, aber das war es, was wir herausgehört haben. Sie lässt sich jedenfalls die Haare machen und bekommt eine ausgiebige Beratung mit Handyvideo (vorher/nachher).
Wir sind mit unseren vier Füßen schnell fertig und bezahlen zusammen 70 Reais (knapp € 14,00). Das werde ich zu Hause bei meiner Fußpflegerin mal erwähnen! 😊
Wir haben den Heimweg über zwei Baustellen angetreten, einmal ein schmaler, abschüssiger Fußweg in Richtung mit Wasser gefüllter Baugrube und einmal Schotterpiste. Dann die Straße hoch und die sieben Hügel zu unserem Zuhause. Da habe ich dann festgestellt, dass sich bei einer meiner Sandalen die Sohle abgelöst hat. Da es solche Sandalen hier gar nicht gibt (eine Brasilianerin würde solche Schuhe niemals tragen!), haben wir noch versucht, die Sohle mit Pattex wieder anzukleben, aber das hielt auch nicht. Also liegen sie jetzt im Müll. Schade, die waren wirklich bequem, aber sie hatten inzwischen auch ein Alter, in dem man sie getrost entsorgen kann und bevor ich mich damit mal auf die Schnauze lege – weg damit.

Stadt Links




Als Vorspeise gab es Melone mit Parmaschinken, dazu ein Glas Limoncello Spritz (mit dem hiesigen Limoncello, den wir in unserer Käse-Frühstücksbude gekauft hatten) und danach Fleisch bis zum Abwinken und etwas Grillkäse. Die Fleischportion war für uns natürlich viel zu groß, obwohl auch ich ordentlich zugeschlagen habe. Jetzt sind noch zwei fertig gegarte Stücke im Kühlschrank … wird wohl Fleischsalat geben, heute Abend.
Dienstag
Wir wundern uns schon seit Tagen darüber, dass unser Christo abends nicht mehr beleuchtet ist und haben uns überlegt, wir gehen mal gucken, was da los ist. Also sind wir am Vormittag hochgefahren und haben uns gewundert, was da seit unserem letzten Besuch alles passiert ist. Die Stadt hat vor drei oder vier Jahren da oben schon alles auf links gedreht, Aussichtsplattformen und ein kleines Café errichtet, Wege erneuert, Blumenbeete angelegt und -kübel bepflanzt. Das sah alles richtig gut aus, nur die Wege waren Mist. Das waren unterschiedlich große gerundete Steine, auf denen kein Mensch laufen konnte. Diese Steine sind jetzt weg, dafür ist alles ordentlich und gerade gepflastert, Sitzbänke wurden aufgestellt, ein Kinderspielplatz eingerichtet, ein Bierverkaufsstand und weitere Stände für Speisen aufgebaut. Sogar ein „Christo Mercado“ (Souvenirshop mit Restaurant) ist entstanden, der ist aber dienstags geschlossen. Und es wird weiter gebaut.


