Urlaubsbericht
Do: Nach dem Frühstück fahren wir bei Regen los. Das Wetter wird auch unterwegs nicht besser - sehr trüb und immer wieder Regen. Wir kommen trotzdem gut voran, machen unterwegs noch eine kleine Mittagspause.
Die Zufahrt zum Hotel ist abenteuerlich; wir machen auf der Hauptstraße einen Turn durch die Bushaltestelle, um auf die asphaltierte Zufahrtsstraße zu kommen. Der letzte Kilometer ist nur Schotterpiste. Hier ist zwar der Arsch der Welt, aber die Hotelanlage ist sehr schön gestaltet und liegt direkt am See. Unser Zimmer ist groß und sehr spartanisch eingerichtet. Vier Betten, zwei Bügel. Zwei kleine Nachttische links und rechts des Doppelbettes, ein riesiger Holzsessel (aus dem man nur mit Mühe wieder rauskommt) und ansonsten nur Ablageflächen. Kein Bild, keinerlei Deko. Lediglich der Fernseher und die Klimaanlage zieren die Wände. Die versprochene Minibar ist ein leerer Kühlschrank.
Wir richten uns ein bisschen ein und machen einen Orientierungsrundgang. In der Poolbar bestellen wir Caipirinha zur Begrüßung. Das sind Riesentöpfe, die uns erst einmal umhauen und uns eine gute Stunde ins große Doppelbett zwingen. Wenigstens die Matratze ist gut!
Am Abend testen wir das ebenfalls ungemütliche Restaurant. Es dröhnt ein Fernseher und es ist sehr laut, weil die paar Gäste versuchen, den Fußballkommentator zu übertönen. Zwischendrin immer mal wieder Stühlerücken, was ein ziemlich hässliches Geräusch auf dem gefliesten Fußboden verursacht. Wir essen gegrillten Fisch mit Gemüse. Kein kulinarisches Highlight, aber ok.
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Fr, 45. Hochzeitstag:
Wir wollen nach dem Frühstück (10.30 Uhr) eine Bootstour machen und haben uns dafür angemeldet. Klaus fragt in der Rezeption noch einmal nach, ob sie auch wirklich stattfindet, was bejaht wird. Wir marschieren also zum Hotel eigenen Anleger und warten. Im Zehnminutentakt erhalten wir Änderungen der Abfahrtszeit via Whatsapp. Außerdem die Meldung, dass die Gebühr für die Fahrt vorab in der Rezeption bezahlt werden muss. Der Depp, der doofe! Das hätte er auch sagen können, als Klaus dort war. Also marschiert er noch einmal dorthin und latzt 100 Reals pro Person. Dann warten wir weiter und tatsächlich, nach einer guten Stunde (ich bin auf dem Anleger schon fast seekrank geworden), kommt ein Boot angeschossen, direkt auf uns zu. Wir springen beherzt rein, finden tatsächlich noch zwei Sitzplätze und werden mit Schwimmwesten ausgestattet. Der Kapitän gibt Gas und ab geht die wilde Luzzy. Leck mich an de‘ Täsch! Ich hatte mich auf eine gemütliche Bootstour eingestellt, geworden ist es ein Speedbootrennen!
Der erste Stopp ist an einem größeren Anleger mit Restauration. Hier wird erst einmal ein Kanister Benzin aufgefüllt, dann geht es weiter. Wir fliegen zu einer Bucht mit Wasserfällen, danach in einen Canon, eine Bucht mit Tukanen (sehen aber keinen) und weiteren sehenswerten Ecken des Stausees. Die Mittagspause findet wieder an einem Anleger mit kleinem Restaurant statt. Hier bedient Wesley, der etwas deutsch kann und drei Jahre lang mit einer Capoeira-Truppe im Kölner Raum unterwegs war.
Die Rückfahrt wird unterbrochen von einem weiteren Stopp an einer großen Tankstelle mitten im See. Nach insgesamt drei Stunden werden wir wieder an unserem Anleger abgesetzt.
Die Tour war insgesamt nicht nur schnell, sondern auch recht schön. Hat Spaß gemacht und die Leute an Bord (ca. 10 Personen) waren auch ok. Der Himmel war meist bedeckt, aber es blieb trocken und gelegentlich kam auch die Sonne raus, was mir zwei große rote Flecken oberhalb der Knie beschert hat.
Danach ruhen wir uns ein bisschen aus und Klaus testet dann noch den Pool. Eigentlich wollten wir am Abend schön essen gehen in das Restaurant, das uns unser Nachbar Lukas empfohlen hat. Klaus findet aber noch rechtzeitig heraus, dass die nur mittags aufhaben. Also ändern wir unseren Plan und fahren stattdessen nach Capitólio in eine nette Trattoria. Hier gibt es Salat und Pizza und für mich eine Art Weizenbier. Das war nett und lecker und einem Hochzeitstag angemessen. Nur die Fahrt dorthin und zurück im Dunkeln ist halt arg abenteuerlich.
Sa: Wir fahren wieder nach Capitólio, kaufen im Supermarkt Wasser, eine Pulle Wein, etwas zum Knabbern und eine einfache Kühltruhe. Danach geht es in die Käserei. Der Canastra-Käse soll eine Spezialität sein und die Käserei ist wohl die bekannteste in der Gegend. Ist auch ein schöner Laden, in dem wir probieren können. Wir entscheiden uns für zwei Sorten „besonderen“ Käse (die Verkäuferin ist schon clever, da gibt’s mal nix – aber wir wollten ja keinen 08-15 Käse, den man überall kriegen kann). Weil einer der Käse auf gar keinen Fall in den Kühlschrank soll, erstehen wir noch ein Käsebrett mit Abdeckhaube, zwei Gläser Senf mit Maracuja, Marmelade und eine kleine Flasche Cachaça. Mal wieder mehr, als wir brauchen. Aber es macht großen Spaß im Laden zu suchen und zu finden! Man gönnt sich ja sonst nix!
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Danach fahren wir endlich in das empfohlene Lokal, das genau in entgegen gesetzter Richtung liegt. Das Lokal ist so groß, wie zwei Reithallen und voll besetzt. Zwei oder drei Tische sind gerade frei geworden und wir kriegen einen davon. Neben uns hausen wohl zwei Bustruppen, die alles in sich reinstopfen, was irgendwie bezahlt ist. Es ist irrsinnig laut, man versteht sein eigenes Wort nicht. Es gibt keine Fenster und entsprechend auch keine Gardinen, keine Teppiche, keine Polster, keine Tischdecken – nichts, was den Schall schlucken könnte. Das ist in den allermeisten Lokalen in Brasilien so. Aber die Kellner sind unheimlich aufmerksam, erklären alles und kümmern sich. Wir bestellen einen gegrillten Fisch, der hier im See lebte (den Namen habe ich vergessen), der filetiert und somit grätenfrei ist, obwohl er normalerweise viele Gräten hat. Er schmeckt wunderbar. Dazu gibt es Buttergemüse und für Klaus einen Eimer Reis. Danach probieren wir noch Nachtisch. Ich kriege eine Kugel Eis ohne Zuckerzusatz und Klaus probiert gleich zwei Dessert-Kreationen, die beide lecker sind. Danach noch einen Espresso und dann bin ich reif für Mittagsschlaf. Fresskoma!
Klaus geht nochmal an den Pool und gönnt sich einen Eimer Caipirinha. Abends gibt’s dann nur noch Knabberzeug und Wein und Fernsehen.
So: Klaus will zu einem Aussichtspunkt auf einem Berg- Laut Google sieht die Straße ganz ok aus. Sie ist es nicht! Wieder einmal eine Survivaltour: vom Regen ausgewaschene Feldwege mit Spurrillen und Sprungschanzen. Unser Autochen ächzt und ich habe Angst um Unterbau und Reifen. Wir sind ziemlich weit oben, finden aber diesen blöden Aussichtspunkt nicht. Hier gibt es immer noch Grundstücke, die zum Verkauf stehen. Würde ich nur geschenkt nehmen und nur dann, wenn es einen Hubschrauber dazu gäbe! Wir kehren vorsichtshalber um, weil die Nadel der Tankuhr gefährlich nach unten zeigt.
Die nächste Tankstelle ist in Capitólio, also wieder in die andere Richtung. An der Raststätte trinken wir was und Klaus befragt sein Handy nach einem weiteren Aussichtspunkt in der Nähe. mitdenAugenroll Gleiches Spiel – ausgewaschener Feldweg und kein Ende! Ziemlich weit oben befindet sich ein Condominium, das den Namen des Aussichtspunktes trägt. Einen öffentlich zugänglichen Aussichtspunkt gibt es nicht.
Klaus will noch weiter hoch („wir sind ja schon fast ganz oben!“) „Nach 200 m rechts abbiegen“, sagt die Navi-Tussi, „dann dem Weg 3 km folgen“! Ich habe die Schnauze voll von Abenteuer und lege lautstark Protest ein. Der Göga hat tatsächlich ein Einsehen. Wir wenden und hoppeln die Rumpelpiste wieder nach unten.
Im Hotel machen wir einen längeren Mittagsschlaf, weil der Pool rappelvoll ist (das lange Wochenende – Montag ist Feiertag – haben viele für einen Kurzurlaub genutzt; das Hotel ist ausgebucht). Um 17.00 Uhr gönnen wir uns noch eine Caipi und eine Runde Kartenspiel in der Bar. Dann packe ich unsere Sachen in den Koffer. Im ungemütlichen Restaurant nehmen wir noch einen Hamburger zu uns und gucken danach noch etwas fern.
Mo: Abreise. Ein letztes Frühstück im Hotel. Der Himmel ist sehr bewölkt, es ist warm und drückend. Während wir frühstücken, blitzt es über dem See und der Wind wirbelt die Palmen ordentlich durcheinander. Wir sehen zu, dass wir Land gewinnen, packen die Kühltasche und ab ins Auto. Bei leichtem Regen fahren wir los. An der Bushaltestelle halten wir noch einmal und Klaus versucht, einen störenden Fleck auf der Windschutzscheibe mittels Glasreiniger und Tempo zu beseitigen. Als er alles wieder im Kofferraum verstauen will, stößt er sich den Schädel an der nicht ganz geöffneten Klappe (zum xten Mal). Jetzt hat er einen ordentlichen Schmiss auf der Stirn.
Die restliche Fahrt verläuft dann aber reibungslos. Wir kaufen beim Bäcker noch etwas Brot und sind um 13.00 Uhr wieder zu Hause.
Am Abend gibt es Brot und Käse sowie eine Pulle Sekt.
Fazit: Alles in allem war das ein schönes verlängertes Wochenende. Mit dem Wetter hatten wir Glück, die Gegend ist sehr schön und das Hotel war auch ok. Ein paar Dinge wären verbesserungswürdig, aber man kann ja nicht alles haben. *grins*
PS: Das mit der Jeeptour haben wir gelassen; die hätte sieben Stunden gedauert und das war selbst dem Göga zu viel!

Stadt Links










Es werden vier Kartons *räusper*, die uns zum Auto gekarrt und verladen werden.
Poços säuft ab! Auf der Fratzenbuch-Seite der Stadt sind reichlich Bilder und Videos zu sehen, auf denen Straßen mit Schlamm von abrutschenden Hängen überflutet sind. Räumtrupps sind unterwegs und versuchen, das Chaos zu beseitigen. Einige Hauseingänge hat es inzwischen auch erwischt. Wohl dem, der auf einem Hügel wohnt. Die Kanalisation ist hoffnungslos überfordert, obwohl die schon teilweise saniert und erweitert wurde. Das Wasser, das zur Reinigung benötigt wird, tut ein Übriges. Draußen ist es so dunkel, dass wir praktisch den ganzen Tag Licht anhaben müssen. Unser Wasser heizen wir seit Tagen auch nur noch elektrisch. Normalerweise reichen ein paar Sonnenstrahlen, um heiß duschen und spülen zu können. Allmählich geht mir das Wetter auf den Senkel!
6.00 Uhr – Regen. Was wir zu Hause im Sommer schmerzlich vermisst haben, gibt es hier jetzt im Überfluss. Hier ist der Sommer ja Regenzeit, aber noch haben wir Frühjahr und da ist es normalerweise recht schön. Wir können es nicht ändern, aber es lähmt einen doch schon sehr.


