Mittwoch
der erste Rosa-Tag. Sie kommt pünktlich um acht. Wir begrüßen uns herzlich und loben sie für die getane Arbeit vor unserer Ankunft. Sie hat an alles gedacht: Handtücher hingen im Bad, Getränke waren im Kühlschrank, sogar die schwere Bank hat sie mit Marcio zusammen auf den Balkon geschleppt. Das schaffen wir zwei schon nur mit Mühe und die Beiden sind eher zierlich; die müssen sich arg gequält haben!
Sie teilt Klaus auch gleich mit, dass in ihrem Bad mit der Klospülung etwas nicht in Ordnung sei. Marcio wird herbeizitiert und nach einem geeigneten Handwerker befragt. Er kennt einen und der steht eine halbe Stunde später auch auf der Matte. Er guckt sich das an, kontrolliert auf Geheiß noch alle anderen Toiletten im Haus und bestellt das entsprechende Teil. Ein „reitender Bote“ bringt es vorbei, Klaus bezahlt das Material und schwupp – ist es auch schon eingebaut. Das klappt hier besser, als in Deutschland.
Da es heute etwas wärmer ist (22° C) habe ich auch Muse, im Garten etwas zu werkeln. Die schöne Tischdecke (die Rosa nicht gefunden hat, hihi) wird aufgelegt, Pflanzen verhätschelt, eine Glühbirne ausgewechselt und die Vogeltränke installiert. Klaus baut den mitgebrachten Pflanzenroller zusammen. Jetzt sieht alles wieder aus „wie bei uns“.
Rosa kocht Reis, Bohnen und Cove-Gemüse und brät Bratwurst. Für mich gibt es statt Reis etwas Kartoffelsalat, den ich gestern noch schnell zusammengeworfen habe. Sie produziert auch einen großen Eimer frischen O-Saft. Nicht wissend, dass Fruchtsäfte auch nichts mehr für mich sind. Muss Klaus halt dran glauben.
Nach dem Essen pflanzt Klaus sich vor den Fernseher und guckt Fußball. Der SVWW hat letzte Woche den Trainer wegen Erfolglosigkeit entlassen und jetzt sind die Co-Trainer am Zug. Die erste Halbzeit habe ich noch mitgeguckt und bin dann ins Bett. Unsere Mannschaft hat Scheiße gespielt, aber trotzdem gewonnen. Normalerweise ist es umgekehrt. Uns ist das recht, ab jetzt zählen nur noch Tore und Punkte.
Donnerstag
Kaum zu glauben, aber wir sind tatsächlich schon eine ganze Woche hier! Wir waren in drei Supermärkten, im Markt, auf einer Geburtstagsparty, beim Arzt und in der Apotheke und hatten einen Handwerker da. Viel mehr action brauche ich auch nicht. Heute Abend kommt Dagma zum Essen zu uns und ich bin gespannt auf alle Neuigkeiten im Bekanntenkreis.
Ich habe mich gestern Abend mal an die Quarkproduktion gemacht, einen Liter Frischmilch auf knapp 40° C erhitzt und 50 ml Limettensaft dazu gerührt. Eigentlich sollte es Zitronensaft sein, aber Zitronen sieht man hier nur ganz selten mal. Ich vermute, dass Zitronen einfach mehr Säure enthalten; meine Milch flockte zwar ein bisschen aus, aber das war es dann auch. So ungefähr hatte ich mir das ja gedacht mit dem Rezept aus dem Internet! Zuhause habe ich schon Quark gemacht, allerdings mit ME-Kulturen und Lab. Beides habe ich hier nicht. Ich habe die ausgeflockte Milch einfach stehen lassen und mal ein bisschen gehofft. Heute Morgen habe ich sie noch einmal erhitzt und den Saft einer weiteren Limette dazugegeben und siehe da: plötzlich habe ich einen Klumpen Quarkmasse, die sich sauber von der Molke getrennt hat. Geht doch! Nun tropft das Gebilde in einem Sieb ab und dann gucken wir mal, wieviel Gramm Quark übrigbleiben.
Ganze 150g! Eine recht magere Ausbeute, wie ich finde. Für mein Rezept benötige ich 250g und ich beschließe, den Rest einfach mit körnigem Frischkäse aufzufüllen, Ich hab‘ wohl ein bisschen viel erwischt, weil meine Küchenwaage inzwischen den Dienst quittiert hat. Das Mehl konnte ich anhand der Scala in einem Messbecher gut einschätzen. Der Teig war unglaublich weich und ich habe die Brötchengebilde nur mit Hilfe von zwei Löffeln auf das Blech bugsieren können. Was soll ich sagen: herausgekommen sind kleine Fladenbrote! Riesengroß und platt wie Flundern. Aber sie schmecken ganz gut. Von unten knusprig (das Backöfchen kann nur Unterhitze) und von oben glänzen sie ein bisschen wie die Käsebrötchen, die man bei uns kaufen kann. Sie schmecken jedenfalls wie zu Hause auch.
Klaus hat sich am Morgen wieder in seiner Muckibude angemeldet. Di und Do geht er zukünftig wieder hin, jeweils um acht Uhr. Tapfer!
Um 18.00 Uhr holt Klaus Dagma ab. Wir köpfen eine Pulle Schampus und feiern das Wiedersehen. Natürlich befragen wir sie, was das Zusammentreffen mit ihrer Tochter UND dem Schwiegersohn zu bedeuten hat. Das war wohl nur ein Zufall und hat nichts zu bedeuten. Die beiden sind nach wie vor getrennt. Na gut, hätte ja sein können!
Linas Mann hat mittlerweile Krebs, wurde operiert und bekommt Chemo. Es geht ihm wohl nicht so gut und Lina macht sich große Sorgen.
Zum Essen hatten wir eine große Schüssel Salat als Vorspeise; für Klaus und Dagma habe ich noch Knobi-Brot dazu gemacht, für mich gab es eins von den Flunderbrötchen. Danach hatten wir Tilapiafilet, Salzkartoffel und Möhrengemüse. Dagma war sehr angetan von den Möhren und will, dass ich ihr das Rezept aufschreibe. Das ist immer schwierig für mich, weil ich ja nur freestyle koche und keine Mengenangaben machen kann. Ich werde es ihr trotzdem wenigstens grob aufschreiben; es freut mich ja, wenn es ihr geschmeckt hat.
Nachtisch hatte ich keinen vorgesehen (schlicht vergessen, da das für mich ja nicht mehr in Frage kommt). Ich habe dann schnell noch ein paar Feigen aufgeschnitten, die Klaus gekauft hatte. Volltreffer: Feigen sind ihr Lieblingsobst. Na bitte, geht doch. Zum Abschluss gab es noch einen Schnaps und kurz darauf hat Klaus sie wieder nach Hause gefahren. Hat alles gut geklappt und geschmeckt und wenn danach nicht noch die Spülorgie gewesen wäre, hätte ich den Abend noch mehr genossen.
PS: Klaus hat noch ein paar Bilder in die vorherigen Blogs eingebaut. Wenn ihr ein bisschen zurück scrollt, könnt ihr sie sehen.

Stadt Links





Um halb eins waren wir im Lokal und natürlich die ersten. Nicht nur am Tisch, sondern im gesamten Lokal. Nach uns kam noch ein Ehepaar mit zwei kleinen Mädchen, die sich in unserer Nähe platzierten. Der Mann stellte nach kurzer Zeit fest, dass wir uns ja auf Deutsch unterhielten und fragte nach, woher wir denn kämen. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass er aus Österreich kommt, mit einer Brasilianerin verheiratet ist und seit acht Jahren in Poços lebt. Die beiden Mädchen haben sie gerade adoptiert und leben erst seit vier Wochen als Familie zusammen. Hat man aber nicht gemerkt; eine ganz normale Familie halt. Bis der Gastgeber und weitere Gäste eintrafen, wussten wir schon viel übereinander. Es war jedenfalls ein netter Mittag und wir haben auch ein diabetikerfreundliches Gericht auf der Karte gefunden: Gegrillter Tilapia mit Brokkoli, Möhren und ein paar Kartoffelscheiben. Dazu noch eine große Schüssel Reis – wie könnte es anders sein?
Ich war abends so platt, dass ich schon um halb neun ins Bett bin. Klaus hat noch etwas fern gesehen, kam aber auch um kurz vor Mitternacht ins Schlafgemach. Das mit dem Kamin anfeuern haben wir auf Montag verschoben – sa soll es richtig kalt werden!


