Montag
Der alte Präsident hat die Stichwahl gewonnen, sein Kontrahent will sie anfechten. Es bleibt spannend! Ein kräftiger Regenguss hat gestern Abend einen Autokorso der Lula-Anhänger abgewürgt, der hupend durch die Straßen der Stadt gefahren ist. Auch ein paar Böller waren zu hören. Gehört hier dazu und wird auch bei Fußballspielen so zelebriert.
Klaus hat im Internet eine neue Cachaçaria entdeckt (gegr. 2011), deren Produkte hoch gelobt und auch schon mehrfach ausgezeichnet wurden. „Prosa Mineira“ bei Santa Rita de Caldas. Da wollen wir hin.
Wir frühstücken bei unserem Bäcker, der seit dem Umbau auch einen überdachten Außenbereich hat, kaufen im Vorbeigehen in einem Haushaltswarengeschäft eine neue Käseglocke, weil die alte bereits einen Riss in der Plastikhaube hat und fahren bei schönstem Sonnenschein die etwa einstündige Strecke - vorbei an überfluteten Feldern und Seen, die es normalerweise nicht gibt. Die Straßen sind frei und nur gelegentlich mit Schlamm verschmutzt, wo das Material von den Bergen über die Fahrbahn gespült wurde. Ansonsten nur Landschaft in sattem Grün. Kein Wunder, bei dem vielen Regen! Wir kennen die Gegend auch in verdorrtem Braun.
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Auf der Facenda sind mehrere Leute damit beschäftigt, Laub und Schlamm zu beseitigen und wieder „Klar Schiff“ zu machen. Eine Dame unterbricht ihre Arbeit und begleitet uns in die beeindruckende Probierstube. Sie erklärt die einzelnen Produkte, die ordentlich aufgereiht in den Regalen stehen. Alles ist nett eingerichtet und arrangiert und es gibt auch ein paar alkoholfreie Produkte wie Marmeladen, Chutneys, Salami, den unverzichtbaren Minas-Käse und eine ganz kleine Ecke mit Souvenirs.
Wir probieren ein paar Cachaça-Sorten (jeweils nur einen winzigen Schluck, Klaus muss ja noch fahren) und auch den Bananenlikör, der empfohlen wurde und wirklich himmlisch schmeckt. Schnell haben wir ein Sortiment beisammen, das wir selbst trinken wollen und ein paar Flaschen als Weihnachtsgeschenke für hiesige Freunde und Nachbarn. Alles wird ordentlich in eine Kiste gepackt und als Rabatt erhalten wir noch zwei schöne Schnapsgläser mit ihrem Logo, in die ordentlich was reinpasst. Ich glaube, zum Trinken nehmen wir doch lieber unsere kleinen Gläser … nicht, dass uns am Ende noch die Füße wegknicken.
Da wir schon mal in der Gegend sind, fahren wir weiter nach Andradas zum Winzer und füllen unseren Bestand an Wein und Sekt auf. Auch hier wurde ordentlich investiert, neue Gebäude errichtet bzw. angebaut. Es ist kaum wieder zu erkennen. Dunkel erinnern wir uns an die Anfänge, als die Straße noch nicht geteert war und man Angst hatte, dass die Sektflaschen das Hoppeln über den Feldweg nicht überleben würden. Inzwischen finden Bustouren dorthin statt, weshalb wir unseren Wein in den letzten Jahren lieber in einer Außenstelle gekauft haben. Heute, am Montag, ist aber wenig los und wir können in Ruhe aussuchen.
Es werden vier Kartons *räusper*, die uns zum Auto gekarrt und verladen werden.
Schon wieder haben wir einen Beutezug erfolgreich abgeschlossen!
Dienstag
Nach dem Frühstück fahren wir zum Supermarkt Nr. 4 um Wasser zu bunkern. Das gibt es hier im 6er Pack, was praktisch einzuladen und zu transportieren ist. In anderen Märkten stehen die Flaschen einzeln in den Regalen und wenn man größere Mengen kaufen will, ist das etwas mühselig. Wir stellen sie dann auch im 6er Pack ins Regal, was Rosa jeweils dazu veranlasst, sie auszupacken und einzeln hinzustellen. Etikett nach vorne. Vielleicht hat sie mal im Supermarkt gearbeitet?
Ein paar Kekse und geschmacksneutrale Kräcker wanderten auch noch in den Einkaufswagen, als Notfallproviant für unterwegs und fürs Mittagessen am Mittwoch haben wir auch schon vorgesorgt.
Als wir das Auto wieder starten, macht es im Leerlauf komische Klappergeräusche. Ich kriege was zu viel; immer, wenn wir eine größere Tour planen, ist irgendwas mit der Karre. Beim Fahren ist das Geräusch aber weg. Klaus befragt zuhause die KI – die ja bekanntlich alles weiß – und bekommt als Antwort, dass die Ventile eingestellt werden müssten. Das sei ein bekanntes Problem bei dem Auto. Na gut, das kann wohl warten, bis wir von unserem Kurztrip zurück sind.
Mittwoch
Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was ich in unser Köfferchen packen soll! Die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes, aber hier hält sich das Wetter eben nicht an die Vorgaben. Warm und feucht … das wäre ja genau mein Ding! Klaus will unbedingt eine längere Bootstour machen, bei der Badekleidung angesagt ist, weil es feucht werden kann. Außerdem eine Jacke gegen den Fahrtwind. Ja was denn nun?
Außerdem plant er eine Jeep-Tour, von der ich wenig begeistert bin. Ich erinnere die letzte Fahrt mit einem Jeep – ich weiß gar nicht mehr, wo das war – aber hinterher haben uns alle Gräten wehgetan. Die Dinger sind ja wenig komfortabel. :-O
Wir werden vermutlich den halben Hausstand einpacken müssen, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Außerdem was gegen Stechmücken – weil am See – und eine Pulle Insektenspray habe ich hier sowieso immer dabei.
Ich habe überall schon kleine Ansammlungen rumstehen, was alles mitmuss. Ein gefundenes Fressen für Rosa mit ihrem Aufräumtick! Wir müssen ihr heute klarmachen, dass sie davon die Finger lassen soll.
Die nächsten paar Tage wird es hier ruhig im Blog, aber ich werde nach unserer Rückkehr berichten, wie es uns ergangen ist in der Serra da Canastra.

Stadt Links






Poços säuft ab! Auf der Fratzenbuch-Seite der Stadt sind reichlich Bilder und Videos zu sehen, auf denen Straßen mit Schlamm von abrutschenden Hängen überflutet sind. Räumtrupps sind unterwegs und versuchen, das Chaos zu beseitigen. Einige Hauseingänge hat es inzwischen auch erwischt. Wohl dem, der auf einem Hügel wohnt. Die Kanalisation ist hoffnungslos überfordert, obwohl die schon teilweise saniert und erweitert wurde. Das Wasser, das zur Reinigung benötigt wird, tut ein Übriges. Draußen ist es so dunkel, dass wir praktisch den ganzen Tag Licht anhaben müssen. Unser Wasser heizen wir seit Tagen auch nur noch elektrisch. Normalerweise reichen ein paar Sonnenstrahlen, um heiß duschen und spülen zu können. Allmählich geht mir das Wetter auf den Senkel!
6.00 Uhr – Regen. Was wir zu Hause im Sommer schmerzlich vermisst haben, gibt es hier jetzt im Überfluss. Hier ist der Sommer ja Regenzeit, aber noch haben wir Frühjahr und da ist es normalerweise recht schön. Wir können es nicht ändern, aber es lähmt einen doch schon sehr.
Rosa-Tag. Klaus trifft sie beim Bäcker und bringt sie gleich mit. Wir frühstücken eine schnelle Stulle ohne viel Aufwand. Um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zur Fußpflege und müssen gleich los. Da der Salon (da werden nicht nur Hände und Füße verschönert, sondern auch Haare geschnitten, Augenbrauen gemalt und was weiß ich nicht noch alles) praktisch um die Ecke ist, gehen wir zu Fu0 dorthin. Wir sind die ersten Kunden und werden auch sofort bedient. Nach und nach trudeln noch ein paar Angestellte ein und dann gesellt sich auch noch eine Kundin dazu. Zu unserem Erstaunen ist es Andreia, unsere ehemalige Nachbarin. Sie wohnt mit ihrem Mann inzwischen wohl wieder in Poços; die Kinder sind verstreut und am Studieren bzw. Arbeiten. Alles habe ich nicht verstanden, weil Andreia immer sehr leise und ohne Betonung spricht, aber das war es, was wir herausgehört haben. Sie lässt sich jedenfalls die Haare machen und bekommt eine ausgiebige Beratung mit Handyvideo (vorher/nachher).
Wir haben den Heimweg über zwei Baustellen angetreten, einmal ein schmaler, abschüssiger Fußweg in Richtung mit Wasser gefüllter Baugrube und einmal Schotterpiste. Dann die Straße hoch und die sieben Hügel zu unserem Zuhause. Da habe ich dann festgestellt, dass sich bei einer meiner Sandalen die Sohle abgelöst hat. Da es solche Sandalen hier gar nicht gibt (eine Brasilianerin würde solche Schuhe niemals tragen!), haben wir noch versucht, die Sohle mit Pattex wieder anzukleben, aber das hielt auch nicht. Also liegen sie jetzt im Müll. Schade, die waren wirklich bequem, aber sie hatten inzwischen auch ein Alter, in dem man sie getrost entsorgen kann und bevor ich mich damit mal auf die Schnauze lege – weg damit.


