Sonntag
Das Rodizio gestern war wie immer – sehr lecker. Zuhause ist mir allerdings aufgefallen, dass ich kein einziges Stück Fleisch gegessen habe (deswegen geht man eigentlich zum Rodizio). Dafür habe ich bei Salat, Gemüse und Fisch ordentlich zugeschlagen. Die Fleischträger kamen immer dann, wenn ich gerade eine Fischportion auf dem Teller hatte oder sie brachten Spieße mit Fleischstücken, die ich nicht so mag. Egal, ich bin gut satt geworden und geschmeckt hat es auch.
Mit von der Partie waren Julia, Dudu und sein Kumpel Augusto. Die Jungs kamen etwas später, weil sie noch mit den Mopeds unterwegs waren. Dafür haben sie beim Essen ordentlich zugeschlagen; unglaublich, welche Portionen man in dem Alter verdrücken kann!
Die große Tochter unserer Nachbarn – Julia – betreibt Springreiten als Sport und ist darin auch richtig gut. Gerade gab es ein großes Damenturnier in Campinas, das sie mit eigenem Pferd gewonnen hat! Gesponsert wird sie von den Eltern sowie den Eltern ihres Freundes, die ein Transportunternehmen betreiben. Wo Tauben sind, fliegen Tauben halt hin. Adriana und Eduardo sind jedenfalls mächtig stolz auf das Töchterchen.
Heute ist frühes Aufstehen angesagt; um halb neun gibt es das Spiel Ingolstadt : SVWW. Das erste Spiel unseres Vereins unter den neuen Trainern. Mal sehen, wie es läuft.
Gewonnen! Erstmal einen Elfer verschossen, dann zwei Tore gemacht. Danach ein Eigentor und noch ein reguläres der Schanzer. Typisch SVWW dachten wir, aber dann haben sie doch noch zweimal getroffen. Ein 2 : 4 als Geschenk für den neuen Trainer zum 50. Geburtstag. Ach ja, und für die Fans auch.
Ansonsten sind die Sonntage hier immer irgendwie öde und der gestern machte keine Ausnahme.
Montag
Um kurz nach 3.00 Uhr heute Nacht hat es bei uns geklingelt. Nicht die normale Klingel unten am Tor, sondern unsere eigene Hausklingel zwischen Garage und Wohnzimmerfenster. Die haben wir aus Deutschland mitgebracht und installiert, damit Besucher nicht in die Hände klatschen müssen, um auf sich aufmerksam zu machen. (Ist hier so üblich) Die Klingel benutzt Marcio regelmäßig, wenn er Post oder Päckchen bringt oder Handwerker hier hoch begleitet. Genau diese Klingel schlug heute Nacht an. Ich war gerade auf, saß mit einem Glas Wasser im Gästezimmer und bin ordentlich erschrocken! Mutig habe ich den Rollladen und das Fenster geöffnet, das Licht ausgemacht und den Kopf herausgestreckt. Wer will um diese Zeit etwas von uns … Einbrecher kündigen sich ja normalerweise nicht durch Klingeln an. Es war niemand zu sehen, alles war ruhig und friedlich.
Erst dachte ich, dass vielleicht ein Gecko o.ä. über die Klingel gelatscht ist, aber wir haben im Laufe des Vormittags nochmal nachgeschaut: das ist nicht möglich; man muss die Klingel richtig fest herunterdrücken, um sie auszulösen. Also hat uns wohl Dudu einen Streich spielen wollen. Der war wohl am Abend feiern und kam erst in den frühen Morgenstunden nach Hause.
Heute ist ein Feiertag (Nossa Senhora Aparecida) und der ist völlig an uns vorbei gegangen. Wir sind zum Supermarkt gefahren und haben uns gewundert, dass alle Autos in den Garagen standen und Marcio nicht zu sehen war. Der kleine Wochenendmarkt an der Therme war aufgebaut und gut besucht, die meisten Geschäfte waren geschlossen. Sie Supermärkte haben hier aber immer auf, so dass wir unsere Einkäufe trotzdem erledigen konnten.
Wir haben mal wieder Wasser und Bier gebunkert und ein paar Flaschen Wein wanderten auch in den Einkaufskorb. Was man halt so braucht. 😉
Dienstag
Wir wundern uns schon seit Tagen darüber, dass unser Christo abends nicht mehr beleuchtet ist und haben uns überlegt, wir gehen mal gucken, was da los ist. Also sind wir am Vormittag hochgefahren und haben uns gewundert, was da seit unserem letzten Besuch alles passiert ist. Die Stadt hat vor drei oder vier Jahren da oben schon alles auf links gedreht, Aussichtsplattformen und ein kleines Café errichtet, Wege erneuert, Blumenbeete angelegt und -kübel bepflanzt. Das sah alles richtig gut aus, nur die Wege waren Mist. Das waren unterschiedlich große gerundete Steine, auf denen kein Mensch laufen konnte. Diese Steine sind jetzt weg, dafür ist alles ordentlich und gerade gepflastert, Sitzbänke wurden aufgestellt, ein Kinderspielplatz eingerichtet, ein Bierverkaufsstand und weitere Stände für Speisen aufgebaut. Sogar ein „Christo Mercado“ (Souvenirshop mit Restaurant) ist entstanden, der ist aber dienstags geschlossen. Und es wird weiter gebaut.
Wir sind da oben auch gleich über Kabeltrommeln gestolpert und haben Männer auf Leitern gesehen. Die sind schon dabei, die Weihnachtsbeleuchtungen anzubringen und Bäume und Sträucher mit Lichtschläuchen zu umwickeln. Deshalb ist der Christo abends dunkel! Die haben vermutlich den Überblick über ihre Kabel und Stecker verloren und warten auf den Tag X, an dem alles eingeschaltet wird. Hoffen wir mal, dass dann alles funktioniert.
Weil wir schon da oben waren, haben wir uns auch gleich auf der Terrasse des Cafés niedergelassen und Frühstück geordert. Rührei mit Speck bzw. Pilzen und Röstbrot dazu. Ordentlichen Filterkaffee gab es auch. Futtern mit Aussicht, sehr schön!

Stadt Links




Noch vor dem Frühstück rückt der Wasser-Scheiße-Mann an und öffnet unsere Grube mit einer Flex (oder etwas Ähnlichem; ich kenne mich da nicht so aus) Er geht dabei deutlich weniger zaghaft vor, wie Walter und haut gleich mal ein paar Schnitte in die Fliesen. Grobmotoriker! Dann stülpt er sich zwei Müllsäcke über den Arm und wühlt beherzt in der Brühe herum. Was er vor dem Abflussloch ausgräbt, sind nicht etwa unsere eigenen Hinterlassenschaften, sondern mehrere dicke Fettklumpen!
So, nun noch etwas appetitlicheres: Dudu, der Sohn von Adriana und Eduardo hat inzwischen eine kleine Wohnung in der Stadt, kommt aber zum Essen, Wäsche waschen etc. gerne ins Elternhaus zurück. Eigentlich ist er täglich da, schläft nur woanders. Er hat sich ein neues Spielzeug gekauft: eine nagelneue Kawasaki Ninja. In giftgrün! Das Moped ist ausgesprochen leise, aber Klaus meint, das würde sich noch ändern, weil Dudu schon am Rumschrauben ist. Tatsächlich nutzt er fast täglich die elterliche Garage für irgendwelche Basteleien an dem neuen Teil. Adriana ist jedenfalls „hell begeistert“ von seinem neuen Hobby. Moped fahren ist hier mehr was für Lebensmüde!
Sodann gibt es ein Rezept für zwei Medikamente sowie zwei Überweisungen. Einmal MRT und eine Blut- und Urinuntersuchung. Beides kann er nicht in der Praxis machen. Die Sprechstundenhilfe telefoniert und gibt uns dann die Adresse von St. Clara, einem großen, alten Krankenhaus in der City. Wir fahren hin und fragen uns durch, kriegen am Eingang einen Aufkleber ans Revers, der uns berechtigt im Haus zu sein. Wir landen an einem großen Wartebereich, der gut mit Menschen gefüllt ist. Man muss – wie immer in Brasilien – eine Nummer ziehen. An der Wand hängt eine Anzeige auf der man erkennen kann, welche Nummer gerade dran ist. Wir haben 367, 368 ist dran (hää?). Als 369 aufblinkt, fragt Klaus mal nach, was das soll und wird sofort bedient. Wir müssen dann ein Stockwerk tiefer zur Kasse und dürfen erstmal bezahlen. Dann geht es zurück in den Wartebereich: fünf Stuhlreihen in der fensterlosen Ecke, an der Wand ein Fernseher, der jedoch kaum Beachtung findet. Alle daddeln am Handy … kein Wunder, dass das Internet hier so langsam ist. Klaus muss einen Fragebogen ausfüllen und versucht, einige medizinische Begriffe zu googeln. Ohne Erfolg. Bleibt die Frage halt offen, auch egal.


