Freitag
Noch vor dem Frühstück rückt der Wasser-Scheiße-Mann an und öffnet unsere Grube mit einer Flex (oder etwas Ähnlichem; ich kenne mich da nicht so aus) Er geht dabei deutlich weniger zaghaft vor, wie Walter und haut gleich mal ein paar Schnitte in die Fliesen. Grobmotoriker! Dann stülpt er sich zwei Müllsäcke über den Arm und wühlt beherzt in der Brühe herum. Was er vor dem Abflussloch ausgräbt, sind nicht etwa unsere eigenen Hinterlassenschaften, sondern mehrere dicke Fettklumpen!
Tja, und ich habe mich immer gewundert, wo das ganze Öl bleibt, das Rosa hier so verbraucht. Nun weiß ich es!
Ich bemühe mich ja schon immer, mit wenig Fett auszukommen. Zum Vergleich: Ich habe ein knappes halbes Jahr an einer Pulle Öl, hier sind wir vier Wochen und ich habe schon die zweite Flasche Öl gekauft und das, obwohl Rosa nur einmal die Woche kocht! Das schmeckt zwar alles sehr gut, ist aber wenig Figur freundlich. Das restliche Fett in Pfanne oder Topf wird dann mit kaltem Wasser durch die Spüle gejagt. Brasilianerinnen spülen alle mit kaltem Wasser, weil es in hiesigen Küchen gar kein heißes Wasser gibt. Der Erfolg war dann heute sichtbar.
Ich habe hier auch schon masssenhaft Plastikdosen weggeworfen (oder einer anderen Nutzung zugeführt), weil sie einfach so mit Fett versifft waren, dass ich sie für Lebensmittel nicht mehr nutzen wollte. Auch reinige ich Pfannen erstmal mit Küchenkrepp, bevor ich sie mit heißem Wasser spüle. Das müssen wir ihr nun irgendwie verklickern und beibringen. Mit unserer früheren Perle Wilma war es übrigens das gleiche Problem, nur hat sie es nicht kapiert. Bei Rosa hoffe ich, dass sie die Zusammenhänge versteht.
Nachdem die Grube wieder zu und auch die Fugen wieder verschlossen waren (kommt wohl öfter vor; der Handwerker hatte jedenfalls alle Materialien dabei) haben wir erst einmal ausgiebig gefrühstückt und noch ein bisschen geruht
So, nun noch etwas appetitlicheres: Dudu, der Sohn von Adriana und Eduardo hat inzwischen eine kleine Wohnung in der Stadt, kommt aber zum Essen, Wäsche waschen etc. gerne ins Elternhaus zurück. Eigentlich ist er täglich da, schläft nur woanders. Er hat sich ein neues Spielzeug gekauft: eine nagelneue Kawasaki Ninja. In giftgrün! Das Moped ist ausgesprochen leise, aber Klaus meint, das würde sich noch ändern, weil Dudu schon am Rumschrauben ist. Tatsächlich nutzt er fast täglich die elterliche Garage für irgendwelche Basteleien an dem neuen Teil. Adriana ist jedenfalls „hell begeistert“ von seinem neuen Hobby. Moped fahren ist hier mehr was für Lebensmüde!
Klaus liegt inzwischen der ausführliche MRT-Bericht nebst Bildern vor und der Laborbericht der Blutuntersuchung auch. Er hat alles durch den Übersetzer und die KI gejagt und weiß jetzt, dass er Bumperl g‘sund ist. Ein paar Werte sind ganz leicht erhöht und etwas Gries findet sich wohl auch in der Niere. Daher die Schmerzen. Er wird jetzt mit dem Urologen über die weitere Vorgehensweise verhandeln. Wenigstens ist nichts Gravierendes. In unserem Alter muss man ja immer mit allem rechnen.
Samstag
Heute Nacht haben die Schmerzen wieder angefangen bzw. zugenommen. Scheiße! Wochenende – da arbeiten die Ärzte auch in Brasilien nicht – und außerdem wollen wir nachher mit Adriana und Eduardo zum Rodizio ins „Pampas“ gehen. Wir haben eingeladen und da wäre es echt blöd, wenn wir das kurzfristig absagen müssten. Die hoffe, die eingeworfene Pille zeigt Wirkung.
Ich vertreibe jetzt allabendlich ein Vogelpärchen, das sich meinen Benjamini als Schlafbaum auserkoren hat. Denen gefällt das da, weil überdacht und damit trocken. Mir gefällt das nicht! Wer schon mal unter einen Schlafbaum geschaut hat, weiß, dass da alles voll mit Vogelkacke liegt. Darauf habe ich keine Lust und außerdem gehen beim An- und Abflug auch immer mal ein paar Zweige und Blätter drauf. Sucht euch gefälligst eine andere Bleibe!
In besagtem Benjamini hatten wir schon mal ein Kolibri Nest. Kolibris dürfen da wohnen. Die wiegen nix und sie sind so winzig, dass da auch nicht viel rauskommen kann. Bisher habe ich hier leider erst einen gesehen.

Dafür hatten wir auf dem Balkon Besuch von einem sehr großen schwarzen oder dunkelrot-braunen Vogel. Der ist leicht knotternd eine gute viertel Stunde auf unserem Balkongeländer herumgesprungen und hat auch mal einen Ausflug auf das kleine Beistelltischchen gemacht. Als ich ihn fotografieren wollte, hat er allerdings die Flucht ergriffen (mächtige Flügelspannweite), so dass ich nicht herausfinden konnte, was das nun wieder für ein Exemplar war.
Einen Tukan habe ich auch schon gesichtet, allerdings nur kurz, vom Auto aus.
Es gibt schon drollige Vögel hier!

Stadt Links




Sodann gibt es ein Rezept für zwei Medikamente sowie zwei Überweisungen. Einmal MRT und eine Blut- und Urinuntersuchung. Beides kann er nicht in der Praxis machen. Die Sprechstundenhilfe telefoniert und gibt uns dann die Adresse von St. Clara, einem großen, alten Krankenhaus in der City. Wir fahren hin und fragen uns durch, kriegen am Eingang einen Aufkleber ans Revers, der uns berechtigt im Haus zu sein. Wir landen an einem großen Wartebereich, der gut mit Menschen gefüllt ist. Man muss – wie immer in Brasilien – eine Nummer ziehen. An der Wand hängt eine Anzeige auf der man erkennen kann, welche Nummer gerade dran ist. Wir haben 367, 368 ist dran (hää?). Als 369 aufblinkt, fragt Klaus mal nach, was das soll und wird sofort bedient. Wir müssen dann ein Stockwerk tiefer zur Kasse und dürfen erstmal bezahlen. Dann geht es zurück in den Wartebereich: fünf Stuhlreihen in der fensterlosen Ecke, an der Wand ein Fernseher, der jedoch kaum Beachtung findet. Alle daddeln am Handy … kein Wunder, dass das Internet hier so langsam ist. Klaus muss einen Fragebogen ausfüllen und versucht, einige medizinische Begriffe zu googeln. Ohne Erfolg. Bleibt die Frage halt offen, auch egal.
Kurz vorm Mittagessen hält sie Klaus ein paar verrostete Brocken unter die Nase, die vom Außenwasserhahn stammen. Sind wohl beim Zudrehen abgefallen. Dummerweise ist das der Hahn, der das gesamte Haus mit Wasser versorgt, also insbesondere die Wassertanks unterm Dach befüllt. Oh Scheiße! Der Hahn ist von außen aus rostfreiem Material und das Innenleben fault einfach ab. Das ist eines der Teile, die ich als „brasilianischen Scheißdreck“ bezeichne. Davon gibt es viele!


