Samstag
Wir sind eingeladen. Ulf hatte gestern Geburtstag und hat zur Feier heute in ein Fischrestaurant geladen. Irgendwann mittags soll es losgehen; genaue Zeiten sind hier eher selten. Wir waren im letzten Jahr schon mal mit Dagma, ihrer Tochter und Enkelin in diesem Restaurant und ich weiß, dass das Essen sehr lecker war. Halt alles paniert und frittiert und schön mit Pommes und Reis serviert. Super! Um wenigstens Pommes und Reis nicht essen zu müssen, bin ich im Internet mal auf die Suche nach quarkfreien Brötchen gegangen (Quark gibt es hier nicht). Ich habe auch was gefunden mit Haferflocken, Backpulver, Joghurt und Salz. Das habe ich alles im Haus und hab das Rezept in der Frühe mal ausprobiert. Ich sag’s Euch: Das sind Kanonenkugeln! Die Dinger sind bleischwer, kein bisschen aufgegangen oder gar fluffig geworden. Das Backpulver hätte man m.E. auch weglassen können!
Ich habe eines der Gebilde nach dem Abkühlen mal probiert … geht so. Man muss Haferflocken halt mögen. Mal sehen, ob ich noch ein besseres Rezept finde oder ich muss mich mal an die Produktion von Quark machen. Wäre doch gelacht, wenn ich den hiesigen Bäckereien und der hier ansässigen Firma Dan*ne nicht ein Schnippchen schlagen könnte!
Um halb eins waren wir im Lokal und natürlich die ersten. Nicht nur am Tisch, sondern im gesamten Lokal. Nach uns kam noch ein Ehepaar mit zwei kleinen Mädchen, die sich in unserer Nähe platzierten. Der Mann stellte nach kurzer Zeit fest, dass wir uns ja auf Deutsch unterhielten und fragte nach, woher wir denn kämen. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass er aus Österreich kommt, mit einer Brasilianerin verheiratet ist und seit acht Jahren in Poços lebt. Die beiden Mädchen haben sie gerade adoptiert und leben erst seit vier Wochen als Familie zusammen. Hat man aber nicht gemerkt; eine ganz normale Familie halt. Bis der Gastgeber und weitere Gäste eintrafen, wussten wir schon viel übereinander. Es war jedenfalls ein netter Mittag und wir haben auch ein diabetikerfreundliches Gericht auf der Karte gefunden: Gegrillter Tilapia mit Brokkoli, Möhren und ein paar Kartoffelscheiben. Dazu noch eine große Schüssel Reis – wie könnte es anders sein?
Da wir auf dem Rückweg an Supermarkt Nr. 3 vorbeigekommen sind, haben wir dort noch einmal angehalten, um Kaffee zu kaufen. Ich musste allerdings erstmal aufs Klo (die Straßen hier sind wenig blasenfreundlich) und auf der Suche nach den Örtlichkeiten haben wir Dagmas Tochter nebst Kind und Ehemann getroffen. Ich war etwas verdutzt, weil sich das Paar im letzten Jahr getrennt hatte. Wir müssen unbedingt Dagma zu uns einladen, um wieder über alle Neuigkeiten informiert zu sein.
Sonntag
Um zehn Uhr sind wir gestern Abend ins Bett gegangen. Jetzt ist es kurz nach acht und meiner Einer schläft immer noch. Ich finde das ungerecht! Meine Nacht war um vier Uhr vorbei und seit dem kruschele ich hier rum. Jetzt ist mir langweilig und Hunger habe ich auch. Ich gehe jetzt mal ein bisschen randalieren; vielleicht hilft es ja.
Der Sonntag verlief ereignislos. Unsere Nachbarn sind zu einem Kurzurlaub aufgebrochen, Klaus hat Fußball geguckt und ist danach an seinen PC, ich habe einen langen Mittagsschlaf gemacht. Als Sonntagsessen gab es gebratene Nudeln (Kühlschrankrest) mit Ei und dazu einen Salat. Das Abendessen fand auch verspätet statt, weil der GöGa sich nicht vom PC losreißen konnte. Es wurmt ihn, dass wir hier nicht mehr übers Internet telefonieren können, weil der Provider irgendetwas umgestellt hat. Das geht ja gar nicht! Ich bin froh, wenn ich nicht telefonieren muss und hier nicht zur Unzeit angerufen werde. Ihn ärgert es einfach, wenn Dinge nicht funktionieren. Also verbringt er Stunden damit, das nicht vorhandene Problem zu lösen und wenn ihn der Ehrgeiz erstmal gepackt hat, kann ringsum die Welt untergehen.
Immerhin konnte ich ihn beim Abendessen darüber informieren, dass ich wohl mal einen Hautarzt aufsuchen muss. Ich habe seit unserer Abreise eine Nagelbettentzündung am linken StinkeMittelfinger. Normalerweise repariert sich sowas von selbst, aber diesmal wird es immer schlimmer, tut höllisch weh und sieht auch übel aus.
Klaus hat Adriana via whatsapp befragt und die hat ihm unsere ehemalige Nachbarin Michelle empfohlen. Michelle ist die Ehefrau von Federico, dem Herzchirurgen, der mich hier auch schon verarztet hat. Der kam seinerzeit im Jogginganzug und mit Stethoskop um den Hals zu uns hoch und hat mich im Beisein der halben Nachbarschaft im Wohnzimmer untersucht. Das war 2014 während der Fußball-WM. Ich weiß gar nicht mehr so genau, was ich damals hatte. Es hat aber dazu geführt, dass ich nicht mit nach Belo Horizonte reisen konnte und das sagenhafte 7:1 unserer Mannschaft gegen Brasilien verpasst habe. Auch am angesetzten Public Viewing in Adrianas Wohnzimmer konnte ich nicht teilnehmen (Gott sei Dank, wäre mir peinlich gewesen!). Sie hat mich aber vor dem Spiel mit Tee und Gebäck versorgt und Federico kam danach noch einmal vorbei und hat sich nach meinem Befinden erkundigt. Er ist wohl kein großer Fußballfan. *grins*
Naja, nun werde ich wohl mal bei seiner Gattin vorbeischauen. Drückt mir die Daumen, dass sie mein Problem ohne großen Aufwand beheben kann. Für die Zwischenzeit habe ich hier ein 9-Finger-Tippsystem erfunden, um Euch auf dem laufenden zu halten.

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