Rest von Dienstag
Mit den neuen Pillen kommt Klaus ganz gut hin; er kann nachts gut schlafen und tagsüber sind die Schmerzen auszuhalten. Bis wir wissen, was er eigentlich hat, ist das vielleicht schon ausgestanden.
Der Akku von unserer alten Dashcam hat sich verabschiedet und weil der neu bestellte Akku dann doch nicht passt, hat Klaus nun eine neue bestellt. Die alte hat ja schon viele Jahre auf dem Buckel und hat sich bei unserem Unfall vor Jahren in Belo Horizonte auch längst bezahlt gemacht.
Seit neuestem gibt es im Supermarkt auch Suppengemüse, bereits geschnippelt und vakuumverpackt in der Kühlung. Das habe ich am Abend ausprobiert und einen großen Topf Linsensuppe gemacht, Der üppige Rest wanderte in die Kühltruhe. Da hat sich inzwischen schon ein recht guter Vorrat angesammelt, so dass ich auch mal schnell was auf den Tisch bringen kann. *freu*
Mittwoch
Der Tag beginnt mit einem Mord. Mithilfe eines Insektensprays (die sind hier wirklich effektiv) habe ich schon vor dem ersten Kaffee ein größeres Krabbeltier zur Strecke gebracht. Igitt!
Rosa kommt heute und wir müssen einkaufen. Klaus muss erst zum Bäcker und ihr Frühstücksbrötchen besorgen (das steht ihr zu) und wir brauchen noch etwas, woraus sie ein Mittagessen zaubern kann. Mal sehen, was der Metzger so da hat.
Ich habe gerade nochmal nachgerechnet: wir sind schon vier Wochen hier! VIER WOCHEN! Ich kann das kaum glauben. Vier Wochen, in denen eigentlich nichts und doch ganz viel passiert ist. Man muss gar nicht von einem Event zum nächsten jagen – das ungeplante Leben liefert genug action. Ich hoffe aber, dass die kommenden Wochen nicht mur von Einkaufen, Reparaturen und Arztbesuchen geprägt sein werden.
Rosa hat mir zum Mittagessen (Hühnerbrust mit Weißkraut) wieder ein Glas Limettenlimo gemacht (Limettensaft mit Wasser und Eiswürfel – ohne Zucker). Das Zeug ist so sauer, das rollt einem die Fußnägel hoch! Letzte Woche habe ich das noch mit Todesverachtung getrunken in der Hoffnung, dass das ein einmaliger Versuch war. Die Zugabe von Süßstoff machte das nämlich auch nicht besser. Ein zweites Mal kriege ich das Zeug nicht runter. Klaus hat es dann mit seinem Orangensaft vermischt und meinte, dass das „sehr gesund“ schmeckt. Er hat das dann aber für die Zukunft auch abbestellt.
Donnerstag
Blauer Himmel, Sonnenschein. Ich fasse es nicht! Nachdem es die letzten Tage wieder ausgiebig geregnet hat und kalt war, heute mal ein Lichtblick. Es sieht aus, als könnten wir mal wieder draußen frühstücken, das haben wir bisher höchstens 5 x gemacht.
Klaus holt beim Bäcker das leckere Buchweizenbrot ab, das er bereits bestellt und auch schon bezahlt hat. Sie konnten sich tatsächlich daran erinnern und haben es ihm weggelegt. Keine Ahnung, wer das hier sonst noch kauft – es ist sündhaft teuer – aber ab und zu möchte ich auch mal was anderes als das mitgebrachte Vollkornbrot essen. Er gönnt sich noch ein Croissant, das hier zwar auch anders schmeckt als bei uns oder gar in Frankreich, aber trotzdem recht gut ist. In den drei Monaten, in denen wir hier sind, sanieren wir hier auch den Bäcker.
Außerdem haben wir wieder mal Probleme mit dem Abwasser. Das läuft hier ja nicht direkt in die Kanalisation, sondern landet erst einmal in einem kleinen Auffangbecken unter der Terrasse und von da aus in die Kanalisation. Dort sammeln sich dann auch immer Feststoffe, die während unserer Abwesenheit eintrocknen und verklumpen mit dem Ergebnis, dass das Wasser nicht mehr abfließen kann. Brasilianischer Scheißdreck, im wahrsten Sinne des Wortes!
Klaus hat Walter (unseren Haus- und Hof-Handwerker) angerufen; der kennt das Problem schon. Er will, wenn ich das richtig verstanden habe, heute kommen oder jemanden schicken. Und dann gibt es ja noch den Wasser-Scheiße-Mann, der schon zweimal hier war und die Klospülung sowie den abgerosteten Wasserhahn repariert hat. Irgendwer wird sich kümmern. Bis dahin müssen wir halt das Bad im Gästezimmer oder Büro nutzen, deren Abwässer fließen in ein Auffangbecken vor dem Haus, das auch vom Nachbarhaus mitgenutzt wird und ganzjährig gespült wird. Nur unser Bad, das kleine Bad für die Hausangestellte sowie die Waschmaschine können wir im Augenblick nicht nutzen. Es muss immer was sein!
Am Nachmittag habe ich Frikadellen auf Vorrat gebrutzelt, versuchsweise mit Haferflocken statt eingeweichten Brötchen. Funktioniert gut!
Anschließend hatte ich allerdings keine Lust mehr auf eine weitere Kochorgie und Klaus gebeten, Hamburger zu holen. Unser Nachbar betreibt eine Hamburgerbude und die sind wirklich sehr lecker. Kein Vergleich mit den McBluff-Dingern! Ich hatte einen mit Blue Cheese (ohne Mayo und Ketchup) und das labberige Brötchen habe ich gegen eines meiner Dinkelbrötchen ausgetauscht. Klaus hat einen Doppeldecker „verordnet“ bekommen, weil er Hunger hatte. Ach ja, und anschließend gab es noch einen Schnaps.
Die neue Dashcam ist auch gekommen, wurde eingebaut und funktioniert. Soweit alles gut.

Stadt Links




Sodann gibt es ein Rezept für zwei Medikamente sowie zwei Überweisungen. Einmal MRT und eine Blut- und Urinuntersuchung. Beides kann er nicht in der Praxis machen. Die Sprechstundenhilfe telefoniert und gibt uns dann die Adresse von St. Clara, einem großen, alten Krankenhaus in der City. Wir fahren hin und fragen uns durch, kriegen am Eingang einen Aufkleber ans Revers, der uns berechtigt im Haus zu sein. Wir landen an einem großen Wartebereich, der gut mit Menschen gefüllt ist. Man muss – wie immer in Brasilien – eine Nummer ziehen. An der Wand hängt eine Anzeige auf der man erkennen kann, welche Nummer gerade dran ist. Wir haben 367, 368 ist dran (hää?). Als 369 aufblinkt, fragt Klaus mal nach, was das soll und wird sofort bedient. Wir müssen dann ein Stockwerk tiefer zur Kasse und dürfen erstmal bezahlen. Dann geht es zurück in den Wartebereich: fünf Stuhlreihen in der fensterlosen Ecke, an der Wand ein Fernseher, der jedoch kaum Beachtung findet. Alle daddeln am Handy … kein Wunder, dass das Internet hier so langsam ist. Klaus muss einen Fragebogen ausfüllen und versucht, einige medizinische Begriffe zu googeln. Ohne Erfolg. Bleibt die Frage halt offen, auch egal.
Kurz vorm Mittagessen hält sie Klaus ein paar verrostete Brocken unter die Nase, die vom Außenwasserhahn stammen. Sind wohl beim Zudrehen abgefallen. Dummerweise ist das der Hahn, der das gesamte Haus mit Wasser versorgt, also insbesondere die Wassertanks unterm Dach befüllt. Oh Scheiße! Der Hahn ist von außen aus rostfreiem Material und das Innenleben fault einfach ab. Das ist eines der Teile, die ich als „brasilianischen Scheißdreck“ bezeichne. Davon gibt es viele!



